Reisetipps

Das Visum für die Indien

Manche Reisen starten bereits mit Stress und Verwirrung, selbst wenn man noch gar nicht unterwegs ist. Die Rede ist davon, ein Visum für die Reise nach Indien zu erhalten. An sich doch eine einfache Kiste, sollte man denken. Aber nein, dann gäbe es ja nichts zu bloggen…

Drei Dinge braucht der Mann (das vierte findet sich dann weiter unten, Nr. 5 im zweiten Update):

  • Original-Reisepass, mindestens noch 6 Monate gültig
  • richtig ausgefülltes Visaantragsformular
  • Zwei Passbilder (in Farbe)

Der Anfang ist problemlos: Das PDF-Formular zur Beantragung des Visums kann auf der Website der indischen Botschaft einfach heruntergeladen und ausgedruckt werden. Auch das Ausfüllen ist relativ einfach. Allerdings sollte man unter „Sex“ nicht „ja“ oder „nein“ eintragen, die Übersetzung aus dem Englischen ist hier einfach nur nicht vollständig 🙂

Mein Reisepass ist noch gültig, fehlten also nur noch Passbilder. Da ich sowieso noch ein paar neuer Flossen zum Schnorcheln brauchte, verband ich diesen Kauf mit dem Besuch eines Fotofix-Automaten an der Konstablerwache in Frankfurt, der gute alte Pixy, mir schon seit fast 20 Jahren in dringenden Fällen vertrauensvoll hilft. Sein Vorhang hat allerdings schon schwer gelitten, so dass jeder auf der B-Ebene mein Shooting verfolgen konnte. Fehlte nur noch die Webcam.

Mittlerweile ist der Fotofix sogar überarbeitet und leitete mich sprachgesteuert durch Aufnahmen, die den neuen biometrischen Erfordernissen gerecht werden sollten. Heraus kam ein Verbrecherbild: Nicht lachen bitte! Schließlich ist ein ernster Gesichtsausdruck mit geschlossenem Mund erforderlich – und wenn ich ernst gucke, dann ist das so, wie wenn andere Menschen richtig böse dreinschaun. Ein Geburtsfehler? Dabei fand ich es ziemlich lustig, dass ich meine Brille ausziehen sollte, angesichts der dann nur noch schriftlichen Darstellung aber nicht mehr lesen konnte, was der Apparat mir alles sagen wollte. Egal, es hat geklappt.

Blieb noch die Wahl, wie ich zum Visum komme. Sollte ich es per Post in Berlin beantragen? Das Risiko wollte ich nicht eingehen. Hinterher wäre das Visum nicht zum passenden Zeitpunkt da. Und mein Reisepass auf Reisen? Besser nicht. Zum Glück gibt es ja eine indische Botschaft in Frankfurt, auf deren Website ich alle Infos fand. Naja, fast. Und leider für mich missverständlich.

Was fehlte – nämlich, das vierte, was man braucht:

  • Geld. Die Beantragung von Touristenvisa kostet derzeit 50 Euro (Zu Zusatzkosten bitte zweites Update lesen). Eine Info, die ich auf der Website der indischen Botschaft nicht fand, sondern irgendwo anders im Netz.

Wo ich hin musste, war ebenfalls klar: Consulate General of India, Friedrich-Ebert-Anlage 26, 60325 Frankfurt am Main. Aber Moment, da steht noch was:

Das indische Generalkonsulat in Frankfurt am Main wird am Schalter eingereichte Anträge zukünftig nur noch für Reisepass/PIO Card/OCI Card und Beglaubigungen / Bescheinigungen von Individuen annehmen, die ihre Anträge persönlich einreichen.

Ah ja, ich wollte meinen Antrag ja persönlich einreichen. Also konnte ich wohl dorthin. Aber eines übersah ich. Doch die Zeit war knapp, Anträge kann man laut Website nur zwischen 9:30 und 11:30 einreichen, ein äußerst dürftiges Zeitfenster (muss ein toller Job sein, in einer Botschaft zu arbeiten, mit vieeeeel Freizeit).

Es war 10:30, ich zog mich ausgehfertig an, packte meinen Kram, hechtete ins Auto, stellte den Navi ein und fuhr los. Etwa gegen 11:10 querte ich den Alleenring in Frankfurt und mein Navi wollte mich plötzlich nur noch im Kreis schicken. Also parken. Kreisen, kreisen, und kein Parkplatz in Sicht. Schließlich einer genau vorm Eingang eines Unigebäudes in Bockenheim. Ein freundlicher UPS-Fahrer erklärte mir, dass ich noch zwei Kilometer laufen müsse. Ich gab Gas, wozu trainiere ich sonst im Wald. Punkt 11.28 betrat ich die Botschaft. Gewonnen!

Gewonnen? Mitnichten. Ein Herr trag mir sofort in den Weg. Visum? Ich sei hier falsch, erklärte er mir auf Englisch. Ich müsse woanders hin. Er wies auf die andere Straßenseite und sagte etwas von „left“, begleitet von der entsprechenden Handbewegung und „House Number Thirty“. Es war genau das, was ich auf der Website falsch verstanden hatte:

Das indische Generalkonsulat in Frankfurt am Main kündigt an, daß mit Wirkung vom 1. August 2007 die gesamten Visa-Dienstleistungen an seine alleinige autorisierte Outsourcing Agentur Indo-German Consultancy Services (IGCS) ausgelagert worden sind.

Da danach der zuerst zitierte Satz gefolgt war, hatte ich die Worte „gesamt“ und „alleinig“ nicht in ihrer wahren Bedeutung erfasst und übersehen, dass sich die persönliche Einreichung nicht auf Visa bzw. die Botschaft selbst bezog. Selbstinduziertes Problem bei der rezipierenden Kontexterfassung von Texten in digitalen Medien. Ohoh. Jetzt blieb mir nur noch eine Minute.

Ich raste über den Anlagenring. Lief die Friedrich-Ebert-Anlage herunter. Wo war die Hausnummer 30? Nirgendwo. Es gab etwas wie „Hausnummer 17 bis 33“, ein abrissgefährdetes Gebäude, in das ich kurz eindrang und aufgrund der Half Life Atmosphäre fluchtartig wieder verließ, bevor ein Schuss fiel. Hatte er vielleicht undeutlich gesprochen und meinte „thirteen“? Ebenfalls Fehlanzeige. Vielleicht hatte er gar nicht die Anlage gemeint, sondern die Straße, die gegenüber der Botschaft reinführte und dort dann auf der linken Seite? Hausnummer 30 ein evangelischer Kindergarten, auch sonst nichts.

Ich gab auf. Das Zeitfenster war geschlossen. Ich hatte zum Schluss nur noch gesucht, damit ich es beim nächsten Mal sofort fand. Aber auch dies vergeblich. Also Heimweg zum Auto, für den Fall, dass ich doch verboten stand. Das wär’s noch: Kein Visum, aber ne dicke Knolle oder mein Silver Surfer gar abgeschleppt.

Vor der indischen Botschaft, an der ich vorbei musste, sah ich eine Asiatin stehen. Der Mensch von eben trat heraus und zeigte die Straße runter. Ah, derselbe Fall. Ich ging näher. „House Number Thirty“ hörte ich ihn sagen. Ich mischte mich ein und erklärte ihm, dass es kein Haus mit der Nummer 30 gab und er trotz seiner indischen Herkunft endlich aufhören solle, die Leute ins Nirwana zu senden. Doch, meinte er, dahinten wäre die „Outsourcing Agentur Indo-German Consultancy Services (IGCS)“, direkt unten im Honda-Haus.

Die Asiatin und ich blickten uns an. Es gab dort kein Honda-Haus. Aber eine große Hyundai-Leuchtreklame. Wir gingen hin. Sie sei Koreanerin, kam grade aus Mommenhain, wo mein Winzer seine leckeren Getränke züchtet, unterwegs Stau, aber sie brauche dringend das Visum. Wir fanden das Haus. Hausnummer? 3! Nicht thirty, nicht thirteen, sondern einfach three. Und ich lernte meine erste Lektion zur bevorstehenden Reise:

Lektion 1: Das indische Englisch ist sehr flexibel und darf keinesfalls wörtlich genommen werden.

Immerhin, dass der Eingang direkt um die Ecke lag und nicht am Haupteingang der Nummer 3, raffte ich zügig. Aber natürlich war bereits geschlossen. Im Handumdrehen sammelten sich drei weitere Frauen an, die alle dringend Visa benötigten. Eine war gar schon drin gewesen, hatte schnell raus gemusst, es fehlte nur noch ihre Unterschrift unter dem Antrag, jetzt war zu. So stand sie da, ihren Reisekoffer in der Hand. PP – Persönliches Pech.

Ich machte mich auf den Heimweg. Und werde es kommende Woche wieder versuchen. Jetzt weiß ich ja wohin. Und werde auf jeden Fall die S-Bahn nehmen, da es vom Hauptbahnhof ein kurzer Weg ist. Und hoffe, dass kein Schneechaos ausbricht und die Bahnen nicht ausfallen.

Heute der zweite Versuch, an ein Visum zu kommen. Diesmal mit der Bahn rein nach Frankfurt. Und hey: Wenn man einen Ausgang an der Nordseite benutzt („Fußweg zur Messe“ ist von der B-Ebene aus optimal), dann sind es grade mal etwa 200 Meter bis zur IGCS.

Doch beim Näherkommen sah ich es, das Schild an der Tür. Und las mit Entsetzen: „Heute geschlossen wegen eines indischen Feiertags. Wir bitten um Ihr Verständnis“. Nein. Nicht zufassen. Stunden unterwegs und dann ist zu. Künftig studiere ich die indischen Feiertage – siehe hier http://www.cgifrankfurt.de/general/holiday_calendar.htm

Denn da heißt es aufgepasst. Da haben die Hindus Feiertage, ein Guru Geburtstag und wenn die Christen feiern, lässt man die Visumsstelle auch gleich zu. Was ist überhaupt, wenn in Deutschland Feiertage sind? Auch geschlossen? Was ein toller Job!

Mir braucht keiner mehr etwas von einer „Dienstleistungswüste Deutschland“ zu erzählen. Wenn das Konsulat eines Landes, das mit „Visit India“ um Besucher wirbt, die Hürde eines Visums bestehen hat (wollen die Leute da nicht eher weg als hin?) und dann nochmal zusätzliche Steine in den Weg legt, dass man überhaupt solch ein Visum beantragen kann, toppt das jeden ostdeutschen Handwerker (um mal zwei Vorurteile zu verbinden).

Das nächste Mal fliege ich wieder nach Bali.

Heute der dritte Versuch. Im Vorfeld diese endlich entdeckte Seite gecheckt: https://igcsvisa.de/visabeantragung/ (jaja, bloggen, aber beim Surfen Tomaten auf den Augen haben).

Bereits von weitem sah ich die Tür auf- und zu gehen. Ja, ich würde die „Outsourcing Agentur Indo-German Consultancy Services“ heute betreten. Drin ein Schalter, etwa ein Dutzend Menschen warteten. Wie ich erfuhr: An Montagen und Tagen nach Schließungen (wie heute) ist es besonders voll. Ein indischer Mitarbeiter checkte deren Anträge vor. Vor mir stand eine nette junge Dame, mit der ich mir auf angenehme Weise die Wartezeit vertrieb: Wir unterhielten uns über Indien und andere Länder. Sie ist Mitarbeiterin einer Reiseagentur und managt als Kundenservice die Visa-Angelegenheit. Dank einer Frage von mir an einen anderen Menschen bekam sie dann mit, dass sie künftig gar nicht mehr anstehen muss, da für Agenturen ein direkter Zugang zu einem Extra-Büro besteht.

Dann war ich dran. Statt der begehrten Wartenummer erhielt ich ein weiteres Formular zum Ausfüllen: Die Auftragserteilung. Wäre das vorher klar gewesen, hätte ich sie aus dem Netz heruntergeladen, ausgefüllt und wäre schneller durch gewesen. Hier ist der Download: https://igcsvisa.de/touristenvisum/ – und 13,50 Euro werden extra fällig.

Also schnell ausgefüllt. Man darf in diesem Fall wieder direkt zum Schalter (nicht wieder hinten anstellen). Diesmal war alles okay und ich bekam meine Nummer 35. 34 war grade drin, wow. Kam raus. Bin ich jetzt dran? Nein. Die Dame brachte nun erst einmal einen Packen Anträge in den ersten Stock. Nach zehn Minuten war sie wieder da und ich durfte rein. 63,50 Euro bezahlt. Gegen die Vorlage der Quittung erhalte ich dann meinen Pass zurück. Würde heute schon gehen, aber ich kann erst morgen abend zu den Abholzeiten (17.00 bis 18.00 Uhr).

Wie mich die Reiseverkehrsfachfrau informierte, sind die indischen Visa sogar toll gemanagt – von wegen Servicewüste. Visa für manch andere Länder kann man erst nach acht Tagen abholen. Egal wie: Wenn ich nochmal nach Indien reisen sollte, bestelle ich mein Visum postalisch mit mindestens 14 Tagen Luft.

Update 12. Dezember 2008: Endlich ein Visum für Indien

Gestern mein vierter Besuch. Zwölf Menschen in der Schlange, drei hinterm Tresen. In zwei Minuten war ich als glücklicher Besitzer eines Visums wieder draußen. Die Reise kann losgehen.

Tipp: Mittlerweile kann man über https://e-visums.de/indien schnell und einfach ein E-Visum beantragen.

Alternativen: Visum über Online-Visum Agenturen

Mittlerweile existieren Online-Visum-Agenturen, die Reisenden mit hochwertigen Dienstleistungen unschöne Erlebnisse, wie sie oben oder in den Kommentaren geschildert werden, gern ersparen wollen. Ob man ein Visum für Indien beantragen will oder in andere Länder reisen möchte: Man kann einfach und bequem online ein Formular ausfüllen, direkt online bezahlen und erhält das Visum oftmals bereits am nächsten Tag per e-Mail zugestellt. Seit 2017 gibt es drei unterschiedliche elektronische Visa, die alle einen 6o Tage langen Aufenthalt ermöglichen. Für Reisende dürfte in der Regel das Tourist-Visum Indien die sinnvolle Wahl sein.